Getting Tough The Race II

Einmal kein Marathon, aber dafür umso anstrengender!

Die etwas anstrengende Anreise nach Rudolstadt/Thüringen von über 730 km bei tlw. starken Schneefall war sehr zermürbend, wir haben es gerade noch einige Minuten vor 20 Uhr geschafft unsere Startnummern abzuholen, um 21 Uhr mussten wir im Hotel sein um die Zimmerschlüssel abzuholen, wir haben aber alles rechtzeitig geschafft. Nach
einem guten deftigen Abendessen und dem einen oder anderen Bierchen gingen wir
schlafen, nach einer unruhigen Nacht, Treffpunkt um 7.30 Uhr zum Frühstück,
danach Abfahrt zum Start. Das Wetter war überraschender Weise recht gut, in der
Nacht hat es ca. 2 cm geschneit, und es war fast windstill bei 0 Grad
Außentemperatur, optimale Bedingungen. In kurzen Hosen T-Shirt und Handschuhen
bewaffnet gingen wir pünktlich um 10 Uhr alle gemeinsam (Veranstalter, Ritter,
Duddelsackspieler, Läufer, Begleitpersonen und wer noch wollte zum ca. 1 1/2 km
entfernten Startgelände das war eine Menscheschlange von weit über 2.000
Personen. Nach einem gemeinsamen Gebet, wo 1.300 Läufer am Boden knieten der
Startschuss, flankiert von 3 Flugzeugen, Rauchschwaden und 2 großen
Wasserwerfern der Rudolstätter Feuerwehr.
Los ging es gleich mal 50 m kriechend zu den ersten Wasserhindernissen, das ca. 4 Grad kalte Wasser war ein starker Schock, aber die Bemühungen auf der anderen Seite des Wassergrabens wieder rauszuklettern ließen keine Gedanken an die Temperatur zu. Nach ein paar Hundert Meter, mussten wir durch die Saale, ein starker ca. 40 m breiter Fluss
mit starker Strömung aber ca. nur 40 – 70 cm tief, die deutsche Bundeswehr hat
freundlicherweiße eine Panzerbehelfsbrücke für uns gebaut. Dann durften wir
endlich laufen, laufen, laufen. Die wunderschöne ca. 23 km lange Laufstrecke mit
ca. 1000 HM war fast nur im Wald und auf Feldern, da störte es uns auch nicht,
dass wir zwischen Hügeln ständig rauf und runter mussten, teilweise am
Hinterteil runterrutschend, auch den Autoreifen den wir auf ca. 1 km
mitschleppen durften machte es irgendwie abwechslungsreich, durch den Schnee war
es ganz schön matschig, manchmal 10 cm tiefer schwerer Schlamm, bei der
Zwischenzeitnehmung bei km 10,5 durften wir durch das Gepäckabteil eines
Autobusses klettern und dann in 6 Gitterkäfige rein, raus, rein, raus, ……
durch das Laufen trocknete die Laufbekleidung sehr schnell ab, auch der ständige
leichte Schneefall war nicht störend.
Irgendwann stand dann so bei km 17 eine große Altpapierpyramide mitten im Weg, raufklettern, runterklettern, fertig
weiter…..
Dazwischen ein Stück Banane und ein warmer Schluck Tee war wie
ein 5 Stern Abendessen. Schon langsam, ca. 3 km vor dem Ziel, man hörte schon
den Moderator im Freibad, bevor wir auf die Sturmbahn duften mussten wir sicher
so an die 100 m in einer U-Form durch ca. Brusthohes Wasser waten, dann kam aber
schon die Sturmbahn der deutschen Bundeswehr, eine Eskaladierwand nach der
anderen, Wasser-Schlammgräben, Schlammhaufen, brennendes Stroh, Klettergerüste,
Betonröhren, durch zugewachsene Röhren kriechen, die Knie bluteten schon, jede
Berührung mit dem Schlamm brannte wie Feuer, die kalten klammen Finger machten
es schon fast unmöglich irgendwo raufzuklettern und sich festzuhalten, aber
irgendwie ging es immer wieder, wenn eine Wand einmal zu hoch war, zahlreiche
helfende Läuferhände warfen uns regelrecht über die Hindernisse, sogar
Feuerwehrleute, die die Hindernisse betreuten, streckten uns im Schlamm und
Wasser steckend ihre Hände entgegen, so eine helfende Erfahrung macht Gänsehaut.
Die Sturmbahn war geschafft, dann noch schnell einen ca. 20 kg schweren Sandsack
geschnappt und über die 400 m Laufbahn getragen, das war ein Klacks. Aber dann
ging es ins Freibad, ich muss diesmal zugeben, dass ich vor dem Freibad etwas
Angst hatte, die Erfahrung von den Kopfschmerzen beim Tauchen im letzten Jahren
haben sich ins Gehirn eingebrannt (eingefroren), dann steht man am Beckenrand,
weiß man muss ins 4 Grad kalte Wasser springen und unter 7 Baumstämmen
durchtauchen, das ca. 20 m lange Becken schien endlos zu sein, also rein ins
Wasser, einfach Augen zu Luft anhalten und einmal und noch einmal unten durch,
nochmal Luftholen und mit einem Atemzug unter drei Baumstämme durch, dazwischen
musste man natürlich wieder auftauchen, dann noch mal Luft holen und die letzten
beiden ohne zu atmen durch. Geschafft, die Leiter raufklettern und einige
Minuten sich bei der Palettenhängebrücke anstellen, beim großen Sportbecken
haben sie eine Hängebrücke gebaut, die am Wasser schwimmt, aber sobald man
draufgeht langsam untergeht, die Paletten sind nur mit 2 Stahlseilen verbunden,
also total beweglich, ich hab gesehen, wie sehr viele nach ein paar Schritten
schon Kniehoch im Wasser gingen, so schnell sind die Paletten gesunken, meine
Taktik war, so schnell als möglich drüberlaufen um ja nicht zu versinken,
stolpern wäre fatal, dann darf man den Rest rausschwimmen, hab alle meine Kraft
und Willen zusammengenommen und bin gelaufen wie wenn ein Krokodil hinter mir
war, unter tosenden Applaus, rief der Sprecher ins Mikrofon, zieh zieh zieh, du
schaffst es, so war es auch nach ein paar Sekunden war ich drüber ohne
unfreiwillig noch mal schwimmen zu gehen. eine helfende Hand stützte mich über
die letzte Palette und ich war aus dem Wasser. Am Beachvolley Platz war das
kriechen im Sand nicht schmerzhaft aber unangenehm, die Nase tief im Sand
vergraben lud ich mir eine Ladung Sand in die Laufschuhe. Dann ging es Schlag
auf Schlag, ein Container mit Wasser gefüllt nach dem anderen, ein
Nebellabyrinth, Holzhaufen, Autoreifen, kleine größere Holzwände, wieder
Wassercontainer mit Deckel drauf, wo aber endlich der erlösende Satz kam: Das
ist das letzte kalte Wasser!!! Juhuuuuu
Um den Sand aus den Laufschuhen zu bekommen, haben die gnädigen Veranstalter gedacht, schicken wir sie noch so Hundert Meter durch die Saale ……
Ein paar Hundert Meter der “WALK OF FAME” wieder im Zielbereich die letzten ca. 30 Hindernisse, Panzer, Wände, Gerüste, Lastwägen mit Holzstämmen, Lastwägen mit Gummiteilen, über zig Schrottautos drüber und durch, eine Holzpyramide zum raufklettern, Strohpyramide, das Spinnennetzt, über Seile raufklettern auf der anderen Seite runter, unzählige lange Betonröhren mit scharfen spitzen Steinen die das
kriechen sehr schmerzhaft machten, ca. 2,50 m hohe Betonwände zum raufklettern –
das so ca. 6 mal, irgendwann will und kann man nicht mehr, da aber beim “WALK OF
FAME” die Zuschauer in mehreren Reihen zuschauten will man natürlich keine
Schwäche zeigen, man klettert rauf springt runter, usw. dann gab es noch ein ca.
8 m hohes Klettergerüst wo wir auf der anderen Seite über eine Stange
runterrutschen mussten, so wie die Feuerwehr in den Filmen, ich sagte zu einem
Mädel, das oben betreute, geht das wirklich, sie lächelte mich an, sagte: “ja
geht, runter mit dir” und schon rutschte ich hinab. Ein Danke von mir und zu den
letzten Betonkriechhindernissen dem Ziel entgegen. 10 Stück a 1 m waren es, die
Zuschauer zählten nach jedem von 10 bis 0, die Gänsehaut war nicht mehr von der
Kälte sondern vom Erlebnis endlich das Getting Tough The Race II geschafft zu
haben.
Im Ziel endlich die begehrte goldene schwere Medaille um den Hals
bekommen, mit einem heißen Magnesium Drink ab ins Zelt zu Maurice und Christl,
ich wollte nur noch wärme und hinsetzen, der ganze Körper zitterte ein
Schüttelfrost nach dem anderen begleitete mich, im Zelt angekommen, hab ich mir
nach einigen Minuten trockenes Gewand aus dem Auto geholt und schnell angezogen,
zur Heizung gesetzt und entspannt, eine Stunde später kam Basti zitternd und
total fertig, wir haben ihm gleich das Laufshirt ausgezogen, eine Wärmefolie um
den Körper gewickelt, meine warme Jacke umgehängt und vor die Heizung auf den
Fußboden gesetzt, lange saß er erschöpft und zitternd vor dem Heizungsrohr,
andere Sportler boten ihm sofort Tee und Glühwein an, obwohl jedem eiskalt war,
haben sie sofort für ihn Platz gemacht, ein herzliches Danke. Für mich ist
Bastian der wahre Held dieses Rennens, das was er im letzten Jahr durchgemacht
hat, und dann das härteste Rennen Europas zu schlagen ist mir Worten kaum
auszudrücken. Ich bin Megastolz auf meinen Sohn.
Nach einer heíßen Dusche und Unmengen Essen, fuhren wir noch zur Siegerehrung, aßen noch etwas und tranken ein Bier dazu. Erschöpft aber Glücklich fielen wir ins
Bett,….

Nächstes Jahr sind wir sicherlich wieder am Start beim
härtesten Hindernisrennen in Kontinentaleuropa, Getting Tough The Race
III
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lg Bastian und Bernhard

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3 Gedanken zu „Getting Tough The Race II“

  1. Spät aber doch Gratulation. Ich habe zumindest 2 mal am Massenspektakel Fishermans friend Strongmanrun teilgenommen. War da bei den ungefähr 20 km jedesmal länger als 3 Stunden unterwegs. Obwohl ich denke, der Strongmanrun ist da die wesentlich leichtere Aufgabe.
    Und Andy, ich bin auch total steif und ungelenk, und zur Zeit hab ich noch große Fersenspornprobleme (da haben wir was gemeinsam, leider).

    Gratulation nochmals Bernhard

  2. No Servas!

    Bei der Betrachtung der Fotos ähnlicher Events (Wildsau Dirt Run, Gatschenten Lauf, …), könnte man meinen, dass nur die Gaudi überwiegt.
    Schön auch einmal die Anderen Eindrücke beschrieben zu bekommen. Toll habt ihr euch da durchgeackert!
    Für mich wär das nix, weil zu ungelenk. Als ich meinem Junior vom “x-cross run” erzählte, ging er (nicht ohne sich an der Stirn zu kratzen) wortlos weg!

    Gratulation, bis Sonntag Andy

  3. Abend Bernhard!
    Derartige Extremläufe (wenn auch nur etwas mehr als über die HM-Distanz) gepaart mit künstlichen Hindernissen und aufgrund der Jahreszeit auch Kälte, Schnee und Eis sind nicht mit einem “gewöhnlichen” Marathon vergleichbar. Daher ist deine Finisherzeit mit 3:20:32 (203. Platz) und jene deines Sohnes Florian (4:19:40 – 630. Rang unter 836 männlichen Finishern, dazu kommen 67 Frauen in einer eigenen Wertung) eine sehr beachtliche sportliche Leistung. “Wie der Vater, so der Sohn”, kann man nur anerkennend sagen!

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