Harald Wurm – Edinburgh Marathon, Sonntag, 24.Mai 2026

Edinburgh Marathon, Sonntag, 24. Mai 2026

Ich war noch nie in Schottland. Und da der Edinburgh Marathon heuer auf den Pfingstsonntag fiel, war die Gelegenheit wegen des verlängerten Wochenendes günstig. Ich flog schon am Donnerstag um 7 Uhr mit Ryan Air hin, um ein paar Tage für Sightseeing zu haben, was ich dann auch gleich am Freitag für die einstündige Zugfahrt nach Glasgow nutzte. Schottlands größte Stadt (ca. 620.000 Einwohner, 1950 noch mehr als eine Million!) hat nicht diesen mittelalterlichen Charme von Edinburgh, aber mit dem Riverside Museum am Flußufer des Clyde, von Zaha Hadid Architects entworfen, ein noch junges Wahrzeichen. Das Museum ist dem Verkehr gewidmet, viele Oldtimer, Dampfloks, bis hin zur Glasgower U-Bahn-Garnitur und modernen Rennrädern.
Samstag früh ging es gleich zur Stadtnummernabholung, aber obwohl ich vor acht bereits dort war, gab es bereits eine lange Schlange und ich musste eine Dreiviertelstunde warten. Später hinkommen wäre besser gewesen, denn in der Früh tummelten sich auch die 5- und 10km-Läufer:innen am Start, die bereits Samstag Vormittag ihr Rennen hatten. Da könnten die Organisatoren etwas von Wien, Linz und Salzburg lernen, wie man Startpakete ohne Verzögerung ausgibt und man keine fünf Minuten wartet.
Weil ich noch den ganzen Tag vor mir hatte, machte ich mit dem Zug einen Trip nach Dundee, die viertgrößte schottische Stadt, wo es das spektakuläre V&A Designmuseum gibt. Gleich daneben liegt der Dreimaster Discovery im Trockendock, mit dem sich Robert Scott 1911 seinen dramatischen Wettlauf mit dem Norweger Roald Amundson zur Erstentdeckung des Südpols lieferte. Dann machte ich noch einen Abstecher ins berühmte Golf-Mekka Saint Andrews, das viel mehr als Golfplätze bietet: die verfallene Burg direkt an der Küste, die Ruinen der Kathedrale, die wirklich spektakulär sind und zahlreiche Universitätsgebäude mit vielen Cafes, Restaurants, etc. Das Wetter war herrlich, sonnig und 20 Grad, für Schottland fast schon kitschig im Mai.

Sonntag, 10 Uhr, Marathonstart. Ich wohnte zum Glück nur 5 Minuten von der Startlinie entfernt, musste richtig die Zeit bis dahin totschlagen. Der Himmel war blau, die Stimmung sehr gut, 10.000 Marathon- und noch etwas mehr Halbmarathonläuer:innen machten sich pünktlich von der Innenstadt vorbei an zahlreichen Sehenswürdigkeiten auf den Weg. Die Organisatoren schickten noch am Vortag ein Mail mit: Hitzewarnung! Man soll auf jeden Fall Sonnencreme verwenden und viel trinken, denn für die Schotten gelten mehr als 20 Grad bereits als Hitzewelle. Da würden sie in Bad Blumau nur milde dazu lächeln…
Also ging es die ersten Kilometer bei ca. 17 Grad über die Royal Mile mit Blick auf das Edinburgh Castle durch die Altstadt hinunter zum Bahnhof Waverly und dann zurück Richtung Parlament und Holyrood Castle durch eine Parklandschaft hinaus an die Ostküste. Puuh, ich merkte schon nach 5 Kilometern, es ist wirklich warm. Kein Wind und der späte Start um 10 Uhr sollte noch vielen zu schaffen machen. Dann nach ca. 7 Kilometern plötzlich – Sandstrand! Damit hatte ich jetzt wirklich nicht gerechnet. Beach Flair beim Edinburgh Marathon. Super Stimmung dort entlang der Küstenstraße mit vielen Cafes und Pubs, man durchquert kleinere Ortschaften und quert schmale Brücken, die über kleine Bäche und Kanäle führen.
Ich war ambitioniert unterwegs, 10 km in 49 Minuten, Halbmarathon in 1:44, sogar eine halbe Minute schneller als eine Woche vorher in Salzburg. Das sollte nicht gut gehen. Bis km 27 konnte ich das Tempo noch halbwegs mit einem 5er-Schnitt pro km halten, doch dann musste ich deutlich nachlassen. Es gab beim Edinburgh Marathon auch keine Tempoläufer, von denen man sich hätte ziehen lassen können. Leicht wellig ging es immer weiter die Küste entlang, zum Glück gab es auch zunehmend Schatten, aber das machte die Beine nicht mehr leichter. Die letzten 10 Kilometer bis zum Ziel in Musselburgh waren ein Kampf, dankenswerter Weise gab es viele Fans, die auch wirklich lautstark anfeuerten. Die letzten 3 km kamen mir ewig vor, auch weil der Zielbogen wegen einer Biegung erst bei km 42 zu sehen war. Schlussendlich kam ich nach 3 Stunden und 38 Minuten an. Eh gut, aber ich möchte ja immer, dass es mir auf der zweiten Hälfte auch gut geht, und da war ich dieses Mal einfach wieder zu leichtsinnig am Anfang.

Fazit: eine wunderbare Stadt, tolle Stimmung in der Altstadt als auch beim Marathon. Zweigrößter Marathon in UK nach London mit 9.900 Marathon-Finishern mehr als in Wien heuer. Aber man hat mehr Platz wie in Wien, dafür ist die Organisation verbesserungswürdig: Mankos wie erwähnt die Wartezeit bei der Startnummernabholung, dafür kann man aber auch noch am Sonntag vor dem Lauf die Nummer abholen. Die Labestationen haben nur Wasser(Flaschen), keine Iso-Getränke und meist Gels, die aber schon aufgeschnitten sind und daher beim Hingreifen oft sehr klebrig sind (oder halb leer). Das Ziel ist 7 km vom Zentrum Edinburghs entfernt in Musselburg. Es gibt Shuttle- und Linienbusse zurück, Tickets sind extra im Bus mit Kreditkarte zu kaufen. Wie auch das Bier im Zielbereich, dafür ist das T-Shirt gratis. Und wer Bier, Whisky, Dudelsack und skurille Typen mag, ist in Schottland sowieso richtig.

Besucherzahl : 6 .

Schreibe einen Kommentar