Kategorie-Archiv: Börnis Blogs

24. März 2013 — Debrecen — 105. Marathon — 4:02:03 — 57. Rang von 91 Finishern — 2. Rang in der AK 50!

Nicht viele Nicht Magyaren verirren sich in die zweitgrößte Stadt (210.000 EW) Ungarns. Debrecen ist zwar keine Touristenmetropole hat aber einige reizvolle Sehenswürdigkeiten zu bieten, wie beispielsweise die von Palästen gesäumte Prachtstraße (Piac utca) mit der größten reformierten Kirche Europas, die Universität, das Csokonai Theater und den beschaulichen Nagyerdöpark welcher Austragungsort für das legendäre Rotary Futofesztival ist.

Debrecen Kirche 30x20

Das vom ortsansässigen Laufverein Debreceni Kilometerek bereits zum 3. Mal organisierte Futo (Lauf) fesztival findet im zentrumsnahen Debrecener Nagyerdö (Stadtwald) auf einem 5,274 km langen Rundkurs statt. Neben einem Negyed- (Viertel-), Fel- (Halb-) findet heuer zum zweiten Mal auch ein Marat(h)on statt. Der Lauf ist fast ausschließlich für die ortsansässige Laufgemeinde ausgerichtet aber wir Ausländer sind herzlich willkommen. Die Anmeldung auf der Homepage in Magyarul (ungarisch) ist eine Herausforderung und wird sicherlich einige Interessierte abgeschreckt haben. Aber mit viel Geduld, einigen Ungarischsprachfetzen und dem Google Übersetzer habe ich und – wie die Autonummern vor unserem Hotel zeigen – auch einige andere Europäer diese Herausforderung gemeistert.

Die Laufstrecke führt sternartig durch den Stadtwald, vorbei am Aquaticum Fürdöközpont (Schwimmbad), Wasserteich (ausgetrocknet), Nagyerdeistadion (abgerissen) durch den geschlossenen Vidampark (Tierpark) in den Start und Zielbereich im Gyulai Istvan Atletikai (Leichtathletik-) Stadion. Im Winter eine eher trostlose und menschenleere Gegend aber im Sommer sicher ein Grünoase und ein Naherholungsgebiet für die Debrecener.

Wahrscheinlich in der Hoffnung, dass die Sonne die arktischen Nachttemperaturen (Minus 8°C) ein wenig in die Höhe treiben wird, fand der Start erst um 11:00 Uhr statt. Die Temperatur blieb das ganze Rennen über in den Minusgraden. Bei strahlendem Sonnenschein wäre es ganz angenehm gewesen, wenn uns nicht Väterchen Russland eine stramme Briese geschickt hätte, die auf den Gegenwindpassagen die Atemwege und Bronchien aufs Äußerste belastete.

Die Stimmung war bei der recht überschaubaren Masse an Startern und Publikum sehr gut. Auf den ersten Runden war noch einiges los aber spätestens nach Zielschluss des Halbmarathons bei 2:30 und am Ende meiner 5. Runde wurde es dann stiller und verlassener und die letzten verbliebenen Läufer (Marathonis) lieferten sich ein einsames Rennen gegen die widrigen Bedingungen und für eine respektable Endzeit. Die zwei Verpflegungsstationen boten zwar etwas Abwechslung mit lauter Musik aber leider wurden nur Eiskaltgetränke gereicht, die kurzfristig ein wenig die Darmperistaltik förderten und langfristig meinen Hals in ein Reibeisen verwandelten.

 Durchhalten hieß die Devise für den Rest des Starterfelds und auch für mich, der letztendlich angefeuert von seiner besseren Hälfte (lief die Hälfte von der Hälfte) mit einer neuen persönlichen Jahresbestzeit von 4:02:17 finishte. Als Zielverpflegung gab’s statt einer Original Debrecener eine Hotdog mit “Albino” virsli (Würstel). Insgesamt war das was man für 15 Euro Startgebühr geboten bekam durchaus adäquat: einen gut organisierten Lauf, sympathische und hilfsbereite Helfer und genügend Verpflegung auf der Strecke, ein Startpaket mit zitronengelbem Laufleiberl, Salzgebäck und ein paar kleinere Goodies und im Ziel die Finishermedaille, Isogetränke und die bereits erwähnte Hotdog.

Ziel Debrecen 30x20

 Auf eine Pastaparty wird verzichtet, denn wer isst  in Ungarn schon Kohlenhydrate. Zumindest gab es Solches in den Restaurants nur als Beilage zu riesigen Fleisch bzw. Fischportionen. Auch die Hotels sind noch nicht auf Marathongäste eingestellt. Eine Spätabreise kostet 40% der üblichen Nächtigungsgebühr. Wir und noch einige andere Marathongäste haben den Hotelbesitzer überzeugen können, dass dieses Service für den Ruf der Marathonstadt Debrecen hilfreich wäre. So plant man für nächstes Jahr spezielle Unterkunftspakete für Marathonis. Schau ma amal.