{"id":24314,"date":"2026-10-29T20:06:34","date_gmt":"2026-10-29T19:06:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.100marathonclub.at\/?p=24314"},"modified":"2026-10-29T20:06:34","modified_gmt":"2026-10-29T19:06:34","slug":"spartathlon-wenn-42-km-nicht-genug-sind","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.100marathonclub.at\/?p=24314","title":{"rendered":"Spartathlon &#8211; wenn 42 km nicht genug sind&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Spartathlon \u2013 ein D\u00e9j\u00e0-vu<img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-24316\" src=\"http:\/\/www.100marathonclub.at\/wp-content\/uploads\/Lauf-nach-180-km-1-300x200.jpeg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"http:\/\/www.100marathonclub.at\/wp-content\/uploads\/Lauf-nach-180-km-1-300x200.jpeg 300w, http:\/\/www.100marathonclub.at\/wp-content\/uploads\/Lauf-nach-180-km-1.jpeg 640w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Samstag, 26. September, 6 Uhr 50, Athen, unterhalb der Akropolis. Was mach ich da bei leichtem Regen und noch vor Sonnenaufgang? Ich und knapp 400 andere. Wollte ich es nicht nach meinem letzten Spartathlon 2019 darauf beruhen lassen, dass ich es endlich geschafft hatte beim 3. Anlauf? Gefinisht \u00a0nach 246 km und unter Zeitdruck, Schmerzen, bei Hitze und einer mentalen Achterbahn. Ja, wollte ich damals&#8230;<\/p>\n<p>Aber im Ernst jetzt: bist ein Ultral\u00e4ufer oder was? Und der Spartathlon von Athen nach Sparta am Peloponnes ist f\u00fcr mich <em>der<\/em> Ultralauf schlechthin, der mich wirklich an meine Grenzen bringt. Und nicht nur mich. Also: ein paar Fotos mit der beleuchteten Akropolis im Hintergrund, letztes Aufw\u00e4rmen, rein ins Startget\u00fcmmel und los gings!<\/p>\n<p>Anfangs bergab wie auf rohen Eiern \u2013 nasses Kopfsteinpflaster. Nur nicht st\u00fcrzen, nur nicht weh tun. W\u00e4r schon peinlich, bei einem 246 km-Rennen nach 500 Metern wegen einer B\u00e4nderverletzung oder \u00c4hnlichem auszuscheiden. K\u00f6nnte ich mich wochenlang nirgends blicken lassen. Also, erster Kilometer in 6 min 25, zweiter in 5.40, dritter in 6.05&#8230; passte so, pendelte sich ein. Der Verkehr war betr\u00e4chtlich, die Pf\u00fctzen l\u00e4stig, der Regen mal weniger, mal mehr, Temperatur aber angenehm um die 17 Grad. Trotzdem hatten viele Regenjacken an.<\/p>\n<p>Die ersten 10 Kilometer raus aus Athen und vorbei an Pir\u00e4us, Halbmarathon-Marke in 2:03, Marathon in 4:06. Claudia, mein Support, wartete an mehreren Verpflegungsstellen und feuerte mich an. Machte sie gut, mir ging es auch gut, alles nach Plan.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-24317\" src=\"http:\/\/www.100marathonclub.at\/wp-content\/uploads\/Leonidas-225x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.100marathonclub.at\/wp-content\/uploads\/Leonidas-225x300.jpeg 225w, http:\/\/www.100marathonclub.at\/wp-content\/uploads\/Leonidas.jpeg 480w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/p>\n<p>Bei Kilometer 55 etwa war die erste Erm\u00fcdungsphase \u2013 kannte ich schon, immer nach so einer Distanz, egal wie das Wetter ist. Nach knapp 6 Stunden laufen signalisiert der K\u00f6rper: Pause, oder langsamer&#8230;. Beides keine Option. Also ein Gel hinunter, erste Salztablette dazu. Und siehe da, nach 15 Minuten ging es wieder besser. Der Regen war teilweise heftig, die sch\u00f6ne K\u00fcstenstra\u00dfe Richtung Kanal von Korinth in Nebelschwaden eingetaucht. Nach 80 km kurz nach dem Kanal kam die erste gro\u00dfe Labestation mit warmen Essen, etc. Ein Drittel der Distanz war geschafft, Beine waren noch gut, jetzt galt es bis zur Stadt Nemea bei km 123, also Halbzeit oder vielmehr halbe Distanz, nicht zu viel Zeit zu verlieren und keinen Einbruch zu haben. Der Regen hatte auch aufgeh\u00f6rt, gegen 16 Uhr kam sogar hin und wieder die Sonne durch.<\/p>\n<p>Vorbei ging es entlang von G\u00fcterwegen an endlosen Olivenhainen. Das Meer lag hinter uns, jetzt kamen langsam die H\u00f6henmeter. Bei km 105 ein kleiner Flow, wow! Es ging einen Kilometer die Stra\u00dfe bergauf bis zur Verpflegungsstation, wo ich meinem Rucksack mit Stirnlampe, etc. hinterlegt hatte. Da lief es wirklich gut, ich \u00fcberholte einige L\u00e4ufer, bei der Labestation war auch Markus Thalmann, der einzige \u00d6sterreicher, der je den Spartathlon bisher gewinnen konnte (2003) und half mir, die Warnweste anzulegen. Die n\u00e4chsten 15 Kilometer bis Nemea vergingen recht schnell, ehrlich gesagt kann ich mich gar nicht mehr dran erinnern. Es wurde dunkel, ich lief mit einem Japaner bis zur Labe, dort trennten sich unsere Wege. Ich a\u00df Spaghetti wie schon in Korinth, salzte heftig nach, bekam aber kaum mehr als die H\u00e4lfte runter. Meine Zeit war besser als je zuvor, ich war zuversichtlich.<\/p>\n<p>Jetzt kam allerdings der Anstieg Richtung Sangas Pass auf 1.100 Meter und leider auch wieder mehr Regen. Es geht dort etwa 30 Kilometer auf Asphalt h\u00fcgelig aber doch kontinuierlich bergauf, also ca. 800 H\u00f6henmeter. Ich zog mir dir Regenjacke an, das erste Mal \u00fcberhaupt. Aber es wurde nat\u00fcrlich mitten in der Nacht immer k\u00fchler und auf der Passh\u00f6he war ich froh, dass mir nicht zu kalt war. Zwei Kilometer vor dem finalen Eselsteig zum Gipfel gab es eine warme H\u00fchnersuppe, dann zu zweit mit einem Deutschen vorsichtig raufgestiegen und dann \u2013 fiel meine Stirnlampe aus!\u00a0 Ich fluchte, zum Gl\u00fcck hatte ich eine zweite Taschenlampe mit. Jetzt ging es die Serpentinen die rutschige Ger\u00f6llstra\u00dfe etwa 4 km hinunter und patsch&#8230; schon lang ich am Hintern. Zum Gl\u00fcck federte der Rucksack den Sturz ab, mir war nichts passiert. Der Regen hatte den Boden aufgewacht, es galt h\u00f6llisch aufzupassen und entsprechend langsam trottete ich ganz allein weiter zum n\u00e4chsten Ort. Bei der Labestation waren wir zu dritt, die sich Schuhe und Socken auszogen um die kleinen Steinchen rauszusch\u00fctteln, die sich \u00fcber den Sangas Pass angesammelt hatten. Und weiter ging es in die Nacht hinein, zwei Drittel, 165 Kilometer geschafft. Es war knapp nach halb vier, noch fast 4 Stunden bis Sonnenaufgang.<\/p>\n<p>Es wurde jetzt ziemlich z\u00e4h. Erstens lauf ich nicht gern bei Dunkelheit, zweitens waren meine Oberschenkel schon richtig schwer und drittens lagen noch fast zwei Marathons vor mir. Sonst war alles ok, von ein paar M\u00fcdigkeitsphasen abgesehen, ich lag zweieinhalb Stunden vor der Cut off-Zeit, da hatte ich viel Puffer. Nach gut 180 km wurde es endlich hell, der Regen hatte wieder aufgeh\u00f6rt, der n\u00e4chste lange Anstieg wartete. Ich hatte geh\u00f6rig Respekt: bei km 195 10 Kilometer bei ca. 6-7 Grad Steigung hinauf. Dort hatte ich bisher immer Probleme: Achillessehne, Beinhautentz\u00fcndung, Sekundenschlaf mit Beinahe-Kollision mit einem Lkw.. wollte mir mein K\u00f6rper nach 26 Stunden rennen etwas sagen? Und dieses Mal?<\/p>\n<p>Nach Verlassen der Labestation nach 193 km sp\u00fcrte ich pl\u00f6tzlich einen dumpfen Schmerz in meinem rechten Knie. Was sollte das denn? Ich war nicht umgeknickt, keine pl\u00f6tzliche Bewegung \u2013 die war eh nicht mehr m\u00f6glich \u2013 und trotzdem machte das Knie zu. Ich ging bergauf, auch alle anderen gingen. Dann hatte ich auch noch einen M\u00fcdigkeitsanfall. In meiner totalen Ersch\u00f6pfung setzte ich mich neben ein Marterl am Stra\u00dfenrand und wollte 10 Minuten schlafen. Vom Parkplatz gegen\u00fcber riefen mir Supporter anderer L\u00e4ufer zu: \u201eCome on. You have to run!\u201c Jo, eh&#8230;danke. Aber nach 15 Minuten schaffte ich es irgendwie, wieder hochzukommen. Ich ging die letzten Kilometer bergauf weiter bis es wieder flacher wurde. Da hatte ich mich halbwegs erfangen und konnte sogar wieder leicht antraben. Puuuh, das war wirklich eine brenzlige Situation, es waren ja noch \u00fcber 40 km bis Sparta.<\/p>\n<p>Ich hatte zwar einiges an Zeit verloren, war aber immer noch eineinhalb Stunden vor Cut off. Also alles gut?<\/p>\n<p>Die Stunden vergingen im Flug, im R\u00fcckblick schneller als die Kilometer. Das Profil war jetzt wellig, doch tendenziell bergab. War ich etwas zu schnell, ging das \u00fcberhaupt noch? Denn nach 235 Kilometern bekam ich solche Kreislaufprobleme, dass ich f\u00fcr einen Kilometer fast eine halbe Stunde brauchte bzw. torkelte. Um 4 nachmittag. Zum Gl\u00fcck bekam ich von einem italienischen Betreuer eine Flasche Wasser, ich erfing mich wieder. Die letzten Kilometer nach Sparta hinein ist man in einem Gef\u00fchlswirrwarr zwischen Gl\u00fcck, es geschafft zu haben, Erleichterung, dass es vorbei ist, die letzten Schmerzen irgendwie wegzudr\u00fccken, noch versuchen, recht eckig, aber doch zu laufen. Und dann die Zielgerade zu Leonidas, der Kriegerstatue des Spartaner-K\u00f6nigs. Otto Peischl und seine Frau Sonja waren da und unterst\u00fctzten mich, Otto war ja f\u00fcnf Mal beim Spartathlon dabei. Ein gro\u00dfer des \u00f6sterreichischen Laufsports, auch, weil er in Bad Blumau j\u00e4hrlich die 10 Marathons in 10 Tagen organisiert. Claudia war nat\u00fcrlich auch da und feuerte an bzw. filmte den Zieleinlauf. Nach 35 Stunden und 15 Minuten war es geschafft: Die F\u00fc\u00dfe von Leonidas ber\u00fchren bzw. k\u00fcssen, aus einer Schale trinken, hinsetzen, Fu\u00dfwaschung machen, da gibt es richtig Protokoll.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-24318\" src=\"http:\/\/www.100marathonclub.at\/wp-content\/uploads\/Fusswaschung-225x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.100marathonclub.at\/wp-content\/uploads\/Fusswaschung-225x300.jpeg 225w, http:\/\/www.100marathonclub.at\/wp-content\/uploads\/Fusswaschung-rotated.jpeg 480w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/p>\n<p>Mir war etwas schlecht, ein Bier von Otto half. Ich war 15 Minuten schneller als beim letzten Mal 2019, mein bester Spartathlon von vier. Noch viel schneller war der Ungar Tam\u00e1s B\u00f3dis, der mit 19 Stunden und 40 Minuten einen fantastischen Streckenrekord aufstellte und den griechischen Favoriten, viermaligen Gewinner und vorherigen Rekordhalter Fotis Zisimopoulos um mehr als 40 Minuten abh\u00e4ngte. Der drittplazierte Finne Tomi Ronkainen hatte schon fast zwei Stunden R\u00fcckstand. Bei den Frauen gab es einen griechischen Heimsieg, Despoina Simantrakou siegte in 24 Stunden und 45 Minuten vor der Tschechin Radka Churanov\u00e1 und einer weiteren Griechin, Lemonia Panagiotou. Desponia hatte eine Stunde 20 Minuten Vorsprung. Insgesamt gab es 279 Finisher, 403 waren angemeldet, 323 gingen ins Rennen.<\/p>\n<p>Nie wieder Spartathlon \u2013 nie wieder?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Spartathlon \u2013 ein D\u00e9j\u00e0-vu Samstag, 26. September, 6 Uhr 50, Athen, unterhalb der Akropolis. 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